Liebeserklärung an das Zwetschkerl

"Zwetschkerl" sagt man bei uns auch zärtlich zu kleinen Kindern. Dieses Zwetschkerl habe ich gestern bei morgendlichen Lauf am Attersee von einem verwilderten Baum gepflückt

Es gibt Zwetschken und es gibt Pflaumen. Der Unterschied? Zwetschken (man beachte die Namensähnlichkeit mit der elsässischen und luxemburgischen "Quetsch") sind köstlich und vielseitig, herb, süss und säuerlich zugleich, ausdrucksstark im Geschmack und anpassungsfähig. Sie passen zu Entenbrust, Gänse- oder Kalbsleber sowie zu Rotschmierkäse, sind als Zwetschkenfleck einer der besten Obstkuchen, machen sich auch als Zwetschkenröster zu Topfenknödeln ganz ausgezeichnet und sind als Sorbet oder Parfait einfach göttlich. Pflaumen sind dagegen einfach nur fade Früchtchen.
Ich bin daher im Spätsommer immer auf der Suche nach "Hauszwetschken". Nicht alle meinen mit diesem Begriff das Gleiche wie ich: eine Zwetschke mit kleinen, dunkelvioletten, länglichen, leicht gespitzten Früchten mit hellem Reif. Oft wird in Gärtnereien und auf Märkten eine grössere, rundfruchtige Sorte als Hauszwetschke angeboten. Das ist aber einfach nur kleinere Pflaumensorte. Die entspricht nicht meinen strengen Hauszwetschken-Kriterien. Ich vermute, "meine" Hauszwetschke ist eine ganz alte Sorte, die noch eng mit der Ur-Zwetschke aus dem Kaukasus verwandt ist. Sie reift spät und es gibt sie immer seltener zu kaufen, weil es immer weniger dieser kleinen, knorrigen Bäume in Hausgärten gibt. Und sie hat wenig Ertrag, man braucht Geduld, bis sie richtig reif ist, damit sie vom relativ grossen Kern geht. Wahrscheinlich landen die meisten Hauszwetschken auf Grund ihrer Marktuntauglichkeit in der Maische von Obstlern und Zwetschkernen - auch gut und sinnvoll.  Aber so 2 bis 3 Kilo pro Jahr sollten schon noch für mich übrig bleiben!

Kommentare:

  1. So ein schönes Zwetschkerl *-*
    Kann man denn den Bezeichnungen auf den Märkten vertrauen, bei all den feinen Unterschieden? In Berlin sind das alles einfach nur Pflaumen :( und das ist langweilig!

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  2. Eine sehr schöne Liebeserklärung, liebe Eline. Jetzt warte ich nur noch darauf, welche Köstlichkeiten Du uns von diesen Zwetschkerl präsentierst ;-)

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  3. penelope,
    nein, den bezeichnungen kann man meist nicht trauen. aber wenn dir so ein kleines, längliches zwetschkerl und einige kumpane mal begegnen: zugreifen, das lohnt sich!

    to saluto ticino,
    vor kurzem gab es ein zwetschkensorbet mit portwein.
    demnächst koche ich wieder mal ein grösseres menü, dann gibt es ein dessert mit dem zwetschkerl als hauptdarsteller.

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  4. … nicht zu vergessen, lässt sich richtig gutes Powidl ja auch nur aus Hauszwetschkerln herstellen. Weil unser Baum nun schon das zweite Jahr hintereinander eine Pause einlegt, müssen wir uns auch auf dem Wochenmarkt umsehen. Und dann gibts endlich wieder mal Buchteln mit eigener Powidlmarmelade :-)

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  5. Ich mache zwar auch Unterschiede, bin aber ein wenig toleranter und gönne der Pflaume auch ihre Berechtigung :o)

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  6. kuechenschabe,
    powidl - machst du es auf frischen zwetschken oder ganz traditionell aus doerrzwetschken?
    suse,
    die pflaumen sind ja nicht gefaehrdet, deswegen sorge ich mich mehr um die minderheit ...

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  7. Liebe Eline,
    Traditionell schon, aber nach meiner Oma ;-) und nach der Prato: sehr reife Zwetschken, möglichst spät geerntet, und natürlich ganz ohne Zucker. Uns geht gerade der Jahrgang 2004 aus, Jüngere gibts leider nicht.

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  8. Ich mische seit langer Zeit zum Frühstück immer die "Zwetschenmarmelade" meiner Mutter (schreibt sich bei uns ohne "g" oder "k" - das heißt, es schreibt sich überhaupt nicht, es spricht sich nur) mit Vollmilchjoghurt zum Frühstückskaffee oder -tee. Außer hier in der Provence natürlich. Die Marmelade schmeckt in der Tat genauso süß-säuerlich-fruchtig, wie Du es beschreibst. Obwohl der Baum alt ist und die Früchte klein, trägt er dieses Jahr ganz prächtig. Mindestens zehn Nachbarn sind schon versorgt worden ;)

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  9. Da tu ich ja noch was für Minderheiten...in meinem Garten wurde im Frühjahr ein Baum mit dem Namen "Hauszwetschge" angepflanzt. Ich bin gespannt, wann ich zum ersten Mal ernten kann.

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  10. Küchenschabe,
    und gaanz langsam gekocht ...
    die australier und neuseeländer machen ja so eine art zwetschkenkäse (wie quittenkäse, stark eingekochtes fruchtmus). der wird lange gereift und zu käse serviert.den sollte ich mal selbst produzieren.

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  11. chezmatze,
    "zwetsche" ist dann so ein mittelding zwischen quetsch und zwetschke.

    anne,
    ich wünsche dir eine schöne ernte und viel geduld bis dorthin!

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  12. Wenn sich dann solche Zwetschkerlin in einem "Zwetschkernen" (ohne Kerne) unsichtbar machen, duften sie, wie ei ganzer Kornbvoll und gehen mit Kraft mindestens 1 Minute ab.

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  13. .. wie ein ganzer Korb voll .. Sorry,

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  14. gscheite zwetschkerln sind meistens zwutschkerln und mit dem verkauf des geschäftshauses meiner oma wurde leider auch der zwetschkenbaum (hauszwetschke, what else?), der bei meiner oma zum schlafzimmer hereingeschaut hat, mitverkauft. hoffentlich nützt ihn die neue besitzerin, der geschmack war sensationell: aromatisch, schön säuerlich, relativ fest, wenn reif.

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  15. ehrlich gesagt bin ich endlich mal dankbar, dass jemanden den Unterscheid anspricht. Mir ist natürlich klar, dass es beides gibt, aber irgendwie war mir der geschmackliche Unterschied dann doch nicht so bewusst. Ich dachte lange, dass Zwetschken einfach eine südliche Mundart von Pflaumen sind, es sich als um ein sprachliches Phänomen handelt.
    Nochmal zum Obstler: ist es relativ egal, was man reingibt, ob PFlaumen oder Zwetschken oder würden das dann zwei verschiedene Schnapssorten sein? Auf Lebouquet.org habe ich dazu irgendwie nichts gefunden. Die schauen wohl zu viel auf ihre Weine.

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  16. Herbert,
    den Zwetschkernen ohne Kerne machen wohl nur ein paar besessene Schnapsbrenner!

    katha,
    seit ich diese Liebeserklärung geschrieben habe, finde ich aufgrund der gesteigerten Aufmerksamkeit doch noch einige Hauszwetschkenbäume: in der Stadt auf Baustellen, Schutthalden, am Donauufer. Am Land am Seeufer, auf Wanderwegen. Nur niemand macht sich die Mühe, die Zwutschkerln zu ernten.
    Claudia,
    der hausgebrannte Obstler ist ein toleranter Schnaps: man maischt ein, was es im Herbst so an Obst am Hof anfällt, daher auch der Name. In unserer Region sind das Äpfel, Birnen, Zwetschken, Pflaumen, Ringlotten, da wird kein Unterschied gemacht. Edelbrenner wie der berühmte Tiroler Rochelt, nehmen jedoch für einen Zwetschkenschnaps nur eine bestimmte Sorte aus dem Hausruckviertel.

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