Merry Old England ruft ...

Heute beim Frisör wurde ich aufgrund meiner Ankündigung, beruflich ein paar Tage nach England zu reisen, mit Mitleid beäugt: die Arme muss britisches Essen ertragen, noch dazu fährt sie aufs Land, in London kann man ja ganz gut essen, dank Ethno-Food, aber auf dem Land? Ich habe es aufgegeben, ausgerechnet DIE Leute über die aktuelle Qualität der britischen Küche aufklären zu wollen, die täglich Fastfood in sich hinein stopfen und in ihrer Küche gerade mal die Mikrowelle bedienen können. Bei der Erwähnung Englands aber entdecken sie den grossen Feinspitz und Geniesser in sich, der das Essen auf der Insel ganz schrecklich findet. Auch wenn die einzige eigene Erfahrung mit britischen Gerichten vor 20 Jahre als Austauschschüler gemacht wurde.
Ich dagegen freue mich auf Glattbutt und Seehecht aus dem Atlantik, auf Potted Beef, besten Osterschinken und auf Brotpudding mit Whiskysauce. H. sehnt sich schon nach frisch geräucherten Kippers und nach Makrelen. Beide freuen wir uns auf viele Sorten traditionelles Bier und auf Oxfordshire Blue, Hafercracker und dazu alten Port. Und so nebenbei auf höfliche Menschen, die sich bei dir entschuldigen, wenn du ihnen auf die Zehen trittst. Und auf Wiesen mit wilden Märzenbechern, Dörfer aus grauen Steinhäusern, blühende Weissdornhecken und auf winzige Lämmer auf grünen Weiden ....
Vor der Abreise serviere ich noch schnell ein Fischgericht mit den ersten kleinen Artischocken, auf jüdische Art zubereitet.
Gebratener Saibling, jüdische Artischocken, Kartoffelpüree mit Jungzwiebeln und Limetten
Welche Anrichteweise gefällt euch besser?
Die Haut des Saiblings wird besonders knusprig, wenn man sie mit Kichererbsenmehl bestäubt. Dazu noch grob gestampftes Kartoffelpüree mit Jungzwiebelgrün, Limettensaft und Limettenöl.
Beim ersten Teller fiel mir auf, dass diese Mode der kreisrunden Anrichteweise mir inzwischen schon ziemlich fad und langweilig vorkommt. Und so geriet der zweite Teller leicht anarchistisch. Mir gefällt er besser. Wie seht ihr das?

Kommentare:

  1. Diese Frisörgespräche kenne ich auch und finde sie unmöglich. In England kann man sehr wohl, sehr gut essen.
    Mir gefällt das obere Foto besser.

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  2. Genau deshalb habe ich mir angewöhnt, beim Friseur nichts mehr zu sagen, außer, wie ich meine Haare geschnitten haben möchte (und auch das wird nicht immer verstanden).
    Essen würde ich den Fisch von beiden Tellern, von der Anrichteweise gefällt mir das erste Bild besser.

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  3. Oh, ich beneide Dich, hab ganz viele schöne Tage! Und das mit dem Essen-Anrichten. JA! Unaufgeregtes Anrichten der Speisen ist mir lieber, da bekomm ich allerdings Appetit ;-)

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  4. So, jetzt steht es 2:2 unentschieden.
    Ich bin ganz gerne (allerdings selten und nur kurz) beim Frisör und rede dort nur, wenn ich was gefragt werde. Aber Reisepläne werden immer ganz genau abgefragt.
    Ellja, bei den Artischocken hab ich natürlich an dich und die Lustverzögerung gedacht.

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  5. ... habe gerade gelesen, dass in England die Meinung über deutsches Essen identisch sein soll...
    Überall hat es gute und schlechte Küche - Verallgemeinerungen sind nun wirklich nicht das Wahre...
    Ich könnte ohnehin innerlich lachen, wenn wortreich über den zurückliegenden Auslandsurlaub in "Hast-Du-Nicht-Gesehen" schwadroniert wird und in Wirklichkeit nicht ein Fuß aus dem "Ferien-Ghetto" unter die Landsleute gewagt wird - ja dann wird schon mal die Hotelküche als Maßstab aller Dinge angesetzt... wenn nicht (wie zu Hause auch) gleich nach dem "Restaurant zur goldenen Möve" Ausschau gehalten wird. ;-) (Mac Do..)
    Zu den Fotos - eigenartig - ich habe es nicht so wirklich mit Fisch - aber diese Fotos regen mich beide an, mal probieren zu wollen. Ich würde da keins bevorzugen...
    Ja - und Deine Vorfreude auf England kann ich auch nachvollziehen - gerade weil es nicht die "üblichen Verdächtigen" sind, die besucht werden.
    LG Heidi

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  6. Ach wie ich Dich beneide... Meine Liebe zum englischen Frühstück kennst Du ja und ansonsten habe ich dort natürlich auch schon sehr häufig fantastisch gegessen. Ich mag den Saibling immer noch gerne in luftigen Höhen (Bild 1). Aber Abwechslung tut doch immer gut... Viel Spaß in England. Wir fahren bald nach Franken und trinken ganz viel Wein :-)

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  7. Ach schön, eine Reise auf die Insel :). Viel Spaß!
    Für ein Menü würde ich Variante 1 wählen, als stand alone Variante 2.

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  8. In Norddeutschland hatte die englische Küche lange Zeit einen ziemlich guten Ruf, Stichworte Pudding und Rindfleisch. Wenn ich jetzt dorthin fahren würde/könnte, dann würde ich Ausschau nach Simnel Cake halten, einem Osterkuchen mit Trockenfrüchten und Marzipan. Den würde ich gerne mal probieren. Achja, das Türmchen gefällt mir optisch besser. Macht halt was her ;)

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  9. Hach, ich beneide Sie. Und die vielen wunderbaren Käsesorten beim Cheese Monger! Und die Sandwiches und die Kekse und die Würste und die Pickles...

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  10. Was die Leute alles wissen. Stelle dann immer wieder fest, dass ich keine Ahnung habe.

    Dafür hatte ich heute auch meine ersten Artischocken diese Saison.

    Auf dem Foto finde ich die Anrichtweise „1“ etwas besser, würde generell aber auch eher vom runden abkommen.

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  11. Ich darf öfter nach London. Diesmal hat es mich erstmals in die "CANTEEN" in Spiatlsfields geschneit.
    http://www.canteen.co.uk/
    Einen himmlischen "Abroath Smokie", sanft geräucherte ganze Makrele, zum Frühstück - Puristen würden einen Haddock verlangen (da vergesse ich sogar ein katalonisches Frühstück mit einem saftigen Priorato, oder baltischen Hering mit roten Rüben).
    UK Küchen können alles schlagen.

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  12. Es gibt also doch mehr Liebhaber der englischen Küche als ich dachte! Simnel Cake - hab ich noch nie gehört. Ich werde danach Ausschau halten, ihn aber nicht unbedingt essen wollen (Marzipan, egal ob britisch oder deutsch, muss nicht sein).
    Bezüglich Anrichten: aus den sehr diplomatischen Antworten kann ich herauslesen, dass Bild 2 etwas zu sehr schlampig angerichtet ist.

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  13. Die Fotos verstärken die Frühlingsgefühle (und ein klein bisschen Neid) durchaus.

    Mit den Tellern halte ich das wie Blogschwester Toni ;o)

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  14. Schöne Fotos! Ich liebe die Ausstrahlung von altem Gemäuer. Der Frühling scheint dort fortgeschrittener zu sein?
    Die 1. Variante finde ich hier ansprechender, da sie bei der Einfarbigkeit des Gerichts eine interessantere Note setzt. Bei der 2. würde ich zumindest die Artischocken mehr in Szene setzen, damit es etwas erlesener aussieht.

    Schöne Englandtage!
    Christine

    (gibt es hierzu auch ein Rezept, die Kombination gefällt mir gut)

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  15. Das untere Bild gefällt mir besser, wahrscheinlich ist das Essen darauf auch noch heiß, bei mir klappt das jedenfalls selten: Anrichten, fotografieren und dann servieren=KALT

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  16. Christine,
    Rezept gibt es keines, das ist eine einfache Sache. Die Artischocken und Schalotten (oder Knoblauch) werden in etwas Olivenöl gebraten und mit etwas Weisswein und Hühnerfond so lange in einer breiten Pfanne offen geschmort, bis sie rundum karamellisiert sind und schön knackig. Mit einem Stück Weissbrot und eine Glas Weisswein aus dem Latium fühlt man sich wie in Rom, der Heimat dieser Zubereitungsart.

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  17. Claus,
    sehr pragmatisch, deine Wahl! Kalt war der "schöne" Teller auch nicht, weil ich eine gute Wärmeplatte habe. Im Alltag, wenn es schnell gehen muss, verzichte ich aber oft auf diesen Extra-Aufwand.

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  18. die leute, die sagen, dass man in england nicht gut essen kann, sind oft dieselben, die meinen, dass die französische küche nach wie vor der kulinarische nabel der welt sei und man nirgendwo besser essen könne als in frankreich.
    ich würde sofort mit auf die insel fliegen - zum essen!
    turmbau: mir ist die entspannte variante 2 lieber, wenn auch im konkreten fall für mich zu viel auf dem teller ist.
    gute reise! (da fällt mir ein: crumpets! mmmhhh!)

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  19. katha,
    und - damit es kompliziert ist: einige feinere englische Restaurants haben immer noch einen riesigen Frankreich-Komplex und versuchen sich an französischer "Gourmetküche" a la blutiger Entenbrust mit brauner Pampe.
    Crumpets hab ich noch nie gegessen, sie erinnern mich optisch immer ein bisschen an unsere Liwanzerl.

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  20. Vielen Dank - werde ich ausprobieren!

    Schönes WE, Christine

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  21. gute Zeit in England. Mir gefallen die Türmchenbauten überhaupt nicht mehr, schon deswegen, weil man beim zerschneiden ein heilloses Chaos auf dem Teller anrichtet.

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  22. Von mir aus ein thumbs up für Nummer 2 :-) Aber ich bin ja grundsätzlich nicht so dekorativ veranlagt.

    Viel Spaß in England (ein bisschen Neid keimt auf...)!

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  23. Etwas mehr "Grün" in Form von z.B. mehr Jungzwiebelgrün oder Limettenabrieb würde beiden eher gleichfarbigen Tellern gut tun, aber tendenziell bin ich für die Anrichte auf Teller 2! Nichtsdestotrotz sieht der Saibling lecker aus. Das mit dem Kichererbsenmehl merke ich mir.
    Ich wünsche einen schönen Trip auf die Insel!

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  24. falls du noch dort bist: crumpets schauen zwar so aus, sind aber viel knuspriger als liwanzen, sie gehören getoastet und heiss be(salz)buttert, was bei den löchern eine nicht zu geringe buttermenge voraussetzt.

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  25. Beide Teller sehen wunderbar aus, letztlich ist es doch egal wie angerichtet wird, bei den Zutaten. Have a good time. Und mache schöne Fotos.

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  26. Uff,
    dank Lufti mit knapp 2 Stunden Verspätung erst um 24 Uhr heute Nacht zurück gekommen. Dagegen ist die schlechteste Bahnlinie überpünktlich. Von 6 Flügen mit Lufti im März waren 4 signifikant verspätet.
    In Oxfordshire war es saukalt, regnerisch und stürmisch. Im Norden gab es sogar Blizzards.
    Vom Essen und Trinken werde ich in ein paar Tagen noch mal extra berichten. Jetzt geht es morgen in den Osterurlaub. Ganz in der Nähe, ohne Flug.

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  27. Deine Bilder zeigen England genau so, wie ich es mir vorstelle. Leider war ich noch nie dort.

    Und als passionierte Türmchenbauerin mag ich natürlich den ersten Teller ! Eines meiner Lieblingsspiele ist ja auch "Jenga". :)

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  28. Liebe Eline,
    die jüdischen Artischocken sind lecker! Ich habe das Rezept (und noch eines von Robert) an einen Marktverkäufer weitergegeben, der zuhauf gefragt wurde, wie man diese kleinen Dinger zubereitet. Der hat sich riesig gefreut!

    Schönen Wochenstart! Christine

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  29. Christine,
    das ist Synergie - schön!
    Wir hatte auch am Wochenende wieder mal Artoiischocken. Ich habe Roberts Tip, die Artischocken kurz zu dämpfen und dann erst zu braten angewendet. Das Ergebnis war sehr gut.

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  30. Also ich habe keinje Microwelle und esse kein Fastfood. Den Gourmetnabel der Welt würde ich in Asien vornehmlich Japan verorten.
    Bei weitem das schlimmste während meines 4-wöchigen countryside Urlaubs in England war definitv das essen, ein wahrhaftiger Albtraum..
    Und mir wurde im Vorfeld noch berichtet, es gehe aufwärts mit der englischen Küche...
    Salate ohne jegliches dressing, fische in pampe (und das auf ner insel) kein gemüse, am schlimmsten ist, daß alles schlicht nach nichts schmeckt - ich bin bereit anzuerkennen, dass dies schon wieder eine Kunst ist.
    Ich bezweifle nicht, daß man in England gut essen kann zu 98% ist das Essen aber einfach schlecht.
    Wenn man weiß wohin, kann man sicherlich ein gutes Restaurant, respektive Pub besuchern, aber auf gut Glück wird man immer enttäuscht.
    Ich kann übrigens Menschen, die volmundig von gutem Essen in England berichten nur noch müse belächeln.

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  31. Grantige, anonyme Kommentare für den Frustabbau? Soll mir recht sein.

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